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Bardentreff Blaubeuren 2021
Session with Mandy Strobel, John Donarsky and Annette
Singen beim Warnstreik der IG BAU 2019 vor dem Werkstor bei Heidelbergzement Schelklingen
Beim Sommerfest der Freidenker 2017
CWF Koetz- An evening in August

Ballade vom Schneider von Ulm

 

 

Am 31. März 1811 führte Albrecht Ludwig Berblinger, der Schneider von Ulm, an der Donau die erste flugtüchtige Flugmaschine vor. Berblinger war ein hochbegabter Erfinder, ein Freigeist, Symphatisant der französischen bürgerlichen Revolution. Unter dem dröhnenden Lachen der Ulmer und des königlichen Hofes stürzte er in die Donau. Was war geschehen?

 

 

Er ist ein Schneidermeister in dieser engen Stadt

Hat es satt, das Spießerbürgerleben.

Möchte seine Ideen zu fliegen, siegen sehn

Will hoch über Ulmer Dächern schweben.

Baut sich Flügel, ohne Zügel, bricht er aus,

Gleicht dem Dädalus, verläss' das Labyrinth, sein Haus;

Kost´ alles aus, will fliegen, will schweben.

 

Als Schneider up to date, den Ulmern gefällts

Entwirft er Kleider für die reichen Weiber

Investiert, kauft ein Haus, macht gutes Geld

Doch fliegen will er, immer höher, immer weiter.

In Gedanken ist er oben bei den Sternen

Will hoch sich heben über Ulm, hat viel zu lernen

Will frei sein und die Schwerkraft besiegen.

 

Sein Nachbar Elias hat einen Hinkefuß,

ein letzter Gruß aus des Königs roter Schlacht,

Er kann sich nur schwer bewegen.

Es schmerzt und zwickt, kann sich kaum regen.

Drum hat er getüftelt und getestet und probiert

Eine neue Beinprothese für ihn kreiert,

hat‘s erdacht, für den Nachbarn gemacht.

 

1794 in einer lauen Augustnacht

hält er Wacht, mit den Ulmer Demokraten

Fünf Kanonen hat der Ulmer Rat

bereit gestellt, sie sollen heimlich aus der Stadt

nach Frankreich roll´n, doch sie werden blockiert

nicht gegen die Revolutionsheere geführt,

Ulms Kanonen sollen niemand schaden.

 

Wieder geht er den Berg hinauf,

aufs Hochsträß rauf, will den Wind besiegen.

Er hat das Gleitflugprinzip entdeckt

Mit Flügeln aus Holz und Leinen abgecheckt

Hat zugeseh´n den Vögeln Tag und Nacht

Viel überlegt und durchgedacht

Mit diesen Flügeln kann er fliegen.

 

Denn auf der Alb flog er mit dem Wind,

war wieder Kind, frei und ohne Zügel.

Flog mit den Vögeln dem hellen Licht entgegen,

war schwerelos, lernte leicht zu schweben

Flog immer höher hin zu Sonn´ und Mond

Wollt´ schauen, ob da oben jemand wohnt

Wer frei sein will dem wachsen Flügel.

 

Der König besucht Ulm Ende Mai,

die letzte Chance, es allen zu beweisen.

Sie schneiden ihn, kein Freund kommt in sein Haus.

Sie spotten und die Arbeit die bleibt aus.

Der Nachbar grüßt nicht mehr, sein großer Traum

kostet zu viel, das Geld reicht kaum,

doch er will fliegen, zu den Wolken reisen.

 

Auf der Alb aber flog er mit dem Wind,

war wieder Kind, frei und ohne Zügel.

Flog mit den Vögeln dem hellen Licht entgegen,

war schwerelos, lernte leicht zu schweben

Flog immer höher hin zu Sonn´ und Mond

Wollt´ schauen, ob da oben jemand wohnt

Wer frei sein will braucht Flügel.

 

Ach König, hier auf der Bastei,

über der Donau, vor gaffender Menge,

stürzt mit dem Schneider auch die Revolution,

der Berblinger fällt mit seiner Flugkonstruktion.

Das Volk spottet und der Hofstaat lacht:

Der Ulmer Schneider abgestürzt und nassgemacht,

ausgesetzt dem Hass, der Menge, der Enge.

 

Sie schmiedeten gegen ihn einen Plan,

denn was er kann, war zu viel für sie.

Sie wollten ihn an die Donau zwingen

und danach ihr Spottlied singen:

"Dr Schneider von Ulm hotts fliaga probiert

Do hot en dr Deifel en Donau neigführt."

 

Der Wind dort war schlecht, der König aber wollt´

ihn stürzen sehn, seine Idee, das war sein Ziel,

er trug es aus, es ging schlecht aus:

 

Auf der Alb aber flog er mit dem Wind,

war wieder Kind, frei und ohne Zügel.

Flog mit den Vögeln dem hellen Licht entgegen,

war schwerelos, lernte leicht zu schweben

Flog immer höher hin zu Sonn´ und Mond

Wollt´ schauen, ob da oben jemand wohnt

Freiheit braucht Flügel.

 

© Text und Musik:

Hermann Schleicher-Rövenstrunck

im August 2001 / Mai 2020

 

Der Schneider von Ulm

 

Schneidermeister und Erfinder ...

 
Wenn das Schneiderhandwerk auch nicht sein Traumberuf war, so war Berblinger darin dennoch recht erfolgreich: Bereits mit 21 Jahren wurde er Meister - vier Jahre vor dem dafür vorgesehenen Alter.
Seine Erfindungsgabe stellte er unter Beweis, als er dem Invaliden Elias Schlumperger buchstäblich wieder auf die Füße half. Diesem Stadtsoldaten hatte im Juli 1807, als die Ulmer Napoleons Sieg in der Schlacht bei Friedland feierten, ein explodierender Böller den Fuß weggerissen. Damals waren als Prothesen noch hölzerne Stelzen üblich. Berblinger aber baute Schlumperger 1808 eine „künstliche Fußmaschine“, die tatsächlich wie ein Bein aussah und - Vorfahrin der heutigen Prothese - sich in den Gelenken bewegte.
Da Ulm von 1802 bis 1810 zu Bayern gehörte, wandte sich Berblinger mit seiner Bitte, sich diese Erfindung autorisieren und sie im ganzen Land bekanntgeben zu lassen, an den bayerischen König. Die entsprechende Genehmigung hätte in jenen kriegerischen Zeiten, in denen Tausende von Soldaten zu Krüppeln geschossen worden waren, das Einkommen des auch so schon recht erfolgreichen Schneidermeisters gewiss beträchtlich erhöht. Doch der Allerdurchlauchtigste König lehnte ohne nähere Begründung ab.

 

... träumt vom Fliegen


 
 

Berblingers Absturz ...


 
 

... und persönlicher Ruin

 

 

Späte Anerkennung

 
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