Franz Josef Degenhardt

Franz Josef Degenhardt wurde am 3.12.1931 in Schwelm/Westfalen geboren. Aus militant-katholischer und antifaschistischer Familie stammend, studierte er nach dem Abitur (1952) Rechtswissenschaft in Freiburg und Köln bis 1956. Nach dem Zweiten Staatsexamen 1960 ging Degenhardt 1961 als Wissenschaftlicher Assistent an das Institut für Europäisches Recht der Uni Saarbrücken und promovierte 1966 mit der Dissertation »Die Auslegung und Berichtigung von Urteilen des Gerichtshofs der Europäischen Gemeinschaft«.

Als Liedermacher (1963 Debüt Radio Bremen) wie als Jurist zunehmend politisch engagiert, verzichtete er auf eine Habilitation und ließ sich 1969 als Anwalt in Hamburg nieder, war in Antidemonstrationsprozessen für die APO tätig, verteidigte Mitglieder der RAF und wurde 1971 aufgrund des Unvereinbarkeitsbeschlusses des SPD-Parteivorstandes vom November 1970 wegen eines Wahlkampfaufrufes zugunsten der neugegründeten DKP bei der Landtagswahl von Schleswig-Holstein aus der SPD ausgeschlossen. 1978 trat er schließlich der DKP bei, wo er bis heute organisiert ist. Seit 1983 war Degenhardt als korrespondierendes Mitglied der Akademie der Künste der DDR tätig.

Franz Josef Degenhardt zählt bis heute zu den bekanntesten Liedermachern Deutschlands mit internationalem Ruf und ist auch als Romanautor erfolgreich. Seine ersten Auftritte hatte er auf den legendären Burg-Waldeck-Festivals. 1965 erschien sein Album „Spiel nicht mit den Schmuddelkindern“, dessen Titellied ihn berühmt machte. Er gilt als eine der Stimmen der 68er Bewegung. Viele seiner Lieder wurden zu Klassikern des politischen Liedes und wirkten „stilbildend auf eine ganze Generation deutscher Liedermacher“ (Meyers Taschenlexikon Musik). 1970 erhielt er den Deutschen Schallplattenpreis, 1980 den Preis der deutschen Schallplattenkritik, 1983 den deutschen Kleinkunstpreis und 1986, 1988 sowie 1995 den SWF-Liederpreis. „Er gehört in die sehr deutsche Linie einer politischen Kunst, die markiert ist durch Künstler wie Bertolt Brecht, Hanns Eisler, Ernst Busch. Dort hat er seinen Platz.“ (Thomas Rothschild)

Degenhardts Romane sind Appelle an die Solidarität der »Linksdenker«, geschrieben zum Teil aus autobiographischer Perspektive. Sein Roman-Erstling „Zündschnüre“ (1973) hielt sich mehrere Monate in der SPIEGEL-Bestsellerliste und wurde fürs Fernsehen vom WDR verfilmt (Regie: Reinhard Hauff). Sein zweiter Roman „Brandstellen“ wurde 1977 von der DEFA (DDR) verfilmt (Drehbuch: Gerhard Bengsch, Regie: Horst E. Brandt).

Franz Josef Degenhardt starb am 14 November 2011 in Quickborn bei Hamburg.

 

  • Aus den Kondolenzschreiben auf seinen Song "Das Testament":
     
 
  • Auf Wiedersehen Franz-Josef,

    Irgendwann komme ich dann ja auch. Bis dahin bleiben mir Deine Lieder und Bücher. Danke für Dein Werk, das Du uns hier hinterläßt. Seitdem ich Dich das erste Mal hören durfte haben mich Deine Texte beeinflußt und geprägt. Dein Blick auf die Zeitläufe wird uns hier fehlen, aber Dein Erbe lebt weiter. Mach´s gut.

    Mein Beileid an die Familie und die Freunde.

  • Ein Gespenst geht um, und vor allem auf diese Gespenster freue ich mich. Bin mit seiner Musik groß geworden, sie begleitet mich bis heute auch immer noch im gemeinsamen Kampf. Mein Beileid an die Familie, Freunde und Genossen.

    Ajnat76 

  • Väterchen Franz! Ich trinke einen Schnaps auf Dein Wohl und werde die Zeche dafür prellen.

    Ich hoffe Du stehst jetzt nicht vor dieser Mischung aus Christkind und Goethe und Landgerichtspräsident. Ich hoffe Du bist jetzt bei Angela Davis, Sacco und Vancetti, Ernesto, Leo, Rosa und Karl.

    Halte mir einen Platz frei. allzu lange wird es nicht dauern, bis ich auch zu Euch stossen werde. Dann werde ich Dir einen Null-Ouvert mischen, den auch Du spielen mußt.

    Doch noch ist diese Schicht nicht rum.

  • "...wenn ich dann am Galgen häng,

    und mir wird der Hals zu eng,

    weiß nur ich wer da so log.

    Und wie schwer der Arsch mir wog..."

    Jetzt sitzt Du neben Deinem Schutzpatron. dem Dieb und Dichter Franz Villon. Hoffentlich lacht Ihr Euch wirklich über die Littanei, die uns hier geboten wird die Eier ab.

    Wie oft habe ich Deine Lieder zur Gitarre gesungen, wie oft wurden alle anderen dabei ruhig, wie oft staunten die Hitparade-Teenies damals und wie feucht waren deren Höschen.

  • Mein Beileid an die Familie , seine Lieder lassen Ihn weiterleben

  • Da muss der Text dazu: "Irgendwann - so geht es uns allen – hörst du das vorletzte Signal, Ob nun die Eiche schon gefällt ist oder die Fichte für den Sarg – das ist egal, die Uhr läuft weiter, mach dich für deinen Abgang stark. Mich, wenn sie mich zu Grabe tragen, also - dann mitten durch die Stadt Kurvt durch die Schmuddelkinderviertel möglichst im Morgensonnenschein. Gleich, ob ihr mich nun zur Legende macht, oder ob ihr mich vergeßt. Irgendwann kommt ihr denn ja auch."
  • Du hast Dir ein schönes Schlusslied geschrieben. Mach es gut, Du warst ein Großer.

  • Jetzt hat er den Schlußchoral beendet.

    Es geht einer der wenigen, gradlinigen Genossen. Hat man ihn ja rausgeworfen "aus Schule, Kirche , SPD " , bin ich doch mit ihm aufgewachsen.

    RIP, du "roter Teufel" meiner Kindertage. Du hast ne Menge geprägt.

  • Vor vielen Jahren hatte ich den Auftrag, Väterchen Franz eilig vom SDAJ Festival in Recklinghausen nach Münster zu bringen. An der Stadtgrenze RE gab es eine Kneipe namens Eierfranz :-) Wen wundert´s, dass gar nicht mehr so eilig war, als Väterchen Franz das Kneipenschild war. Es wurde ein lustiger Abend. So war er, so habe ich ihn in persönlicher Erinnerung und seine Lieder sind immer bei mir, solange es Smart Phones mit MP3 Funktion gibt. Väterchen Franz lebt weiter - in vielen von uns!

  • leb wohl, franz-josef! danke für deine lieder - ich höre sie immer noch gerne - und das möcht' ich auf meinem begräbnis hören (lassen).

  • Meine Kondolenz ein leises "Dankeschön" - deine Texte sollen erblühen und ermutigen im Kampf gegen die Verdummungsgesellschaft!