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Ein neuer Tag

 

 

 

Die See ist heute rauh, der Himmel dunkelgrau,

die Männer an Bord sind seltsam still.

Am Ufer stehn die Fraun und spüren ganz genau,

daß mancher nicht mehr wiederkommen wird.

Die Schultern mit schwarzen Tüchern verhängt

Das Haar im roten Schal

Und jetzt fahren sie dahin, wer weiß was kommen mag,

und morgen kommt ein neuer Tag.

 

 

Jetzt stehen sie ganz still und sprechen kein Wort

Und sehn wie das Schiff nun kleiner wird.

Und die eine sagt voll Gram: Wißt ihr noch das letzte Mal,

da hatten ihrer Zwanzig sich verirrt.

Zwischen hohen Wellenbergen, den Sturm im Gesicht

Und sie fanden den rechten Heimweg nicht,

wißt ihr noch an jenem Sonntag als das Wrack am Ufer lag,

doch morgen kommt ein neuer Tag.

 

 

Sie werden jeden Abend an dieser Stelle steh’n,

schwarze Tücher zum Zeichen ihrer Not.

Und sie werden sicher beten, daß der Sturm sich bald legt,

und der Herr den Ihren verschont.

Ihren Kindern sagen sie am Abend zum Schlaf,

daß Vater, wenn er wiederkommt, nie wieder fahren darf.

Und dann träumen sie des Nachts vom kühlen Seemannsgrab.

Und morgen kommt ein neuer Tag.

 

 

Und heut stehen sie am Kai, als das Schiff wiederkommt

Und Jensens Knut ist nicht dabei.

Doch der Bug liegt tief im Priel, der Fang war sicher gut,

ein Hoch der Hochseefischerei.

Als der Eigner dann seinen Anteil nimmt,

sieht der Fischer, daß seine Kasse nicht stimmt,

doch er flickt sein Netz für die nächste Fahrt, -

denn morgen kommt bestimmt ein neuer Tag.

 

 

Peter Braukmann, 1977

 

Nach der Kurzgeschichte von Liam O’Flaherty, „Der rote Schal“